"Mucker" zieht immer noch zum Korb

Kronshagener Basketball-Routinier liebt auch mit 61 noch den sportlichen Vergleich.

Er ist ein leuchtendes Vorbild für einen jung gebliebenen, aktiven und vitalen Menschen. Das Thema Sport hat den Kieler Jörg-Peter Hansen nie losgelassen, den alle nur "Mucker" nennen. Im Mai lieferte der Berufsschullehrer für Wirtschaft und Sport Kostproben seines beachtlichen Basketball-Könnens ab, als der zweifache Familienvater im Trikot der Spielgemeinschaft TSV Kronshagen/SV Halstenbek bei der Deutschen Meisterschaft in der Altersklasse Ü60 nach gewonnenem "kleinen" Finale gegen die SG Heidelberg "Bronze" abräumte.

"Ich kam durch meine Eltern zum Sport", erzählt der inzwischen 61-Jährige, "meine Mutter war  Leichtathletin, mein Vater spielte Handball. Ein Lehrer in der Holstenschule Neumünster brachte mich zum  Basketball."

Am rasanten Teamsport schätzt der Routinier besonders die Kombination aus Physis, Fein- und Mannschaftsgefühl.
 
Die ersten Körbe im Klub versenkte "Mucker" beim MTSV Olympia Neumünster,  Stationen beim MTSV Hohenwestedt und TSV  Kronshagen schlossen sich an. Insgesamt stehen 30 Jahre als Regionalliga-Spieler auf dem Tacho, zum Teil fungierte Hansen als Spielertrainer und wirkte etwa auch als Landestrainer im Basketball Verband Schleswig-Holstein für die weibliche Jugend.
 
Die ganz großen Erfolge stellten sich erst in reiferen Jahren ein, so kann Hansen Platz vier bei der Europameisterschaft 2004 in der Altersstufe Ü45 vorweisen, dem 2013 im deutschen Senioren-Nationalteam als Weltmeister Ü55 der ganz große Wurf gelang - Seite an Seite mit ehemaligen  Basketball-Ikonen wie John Dronsella und  Holger Smit und schrieb dabei in Thessaloniki (Griechenland) zugleich Geschichte. Im Bereich Ü60 folgte 2017 der nationale Titelgewinn, ein  Jahr später die Vizemeisterschaft.
 
Wie ist es möglich, im Alter von über 60 Lenzen immer noch wie ein junger Kerl durch die Halle zu springen, mit vollem Körpereinsatz zum Brett zu ziehen oder sich in die Rebounds zu werfen?
 
Denn, das von Erfinder James Naismith erdachte eigentlich körperlose Spiel fordert als situative Sportart nicht nur in Sachen Wahrnehmungs-, Antizipations- und Entscheidungsprozessen besondere Fähigkeiten ein, sondern stellt auch im körperlichen Bereich hohe Anforderungen. Und birgt dadurch per se ein nicht unerhebliches Verletzungsrisiko, durchaus vergleichbar mit Fußball und Handball.
 
Am häufigsten ziehen sich die Basketballer Verstauchungen oder Verletzungen des Kapsel-Band-Apparates am oberen Sprunggelenk zu, aber auch Kniegelenk und Hand sind oft betroffen. Zerrungen und Prellungen gehören zum normalen Geschäft, Knieverletzungen ziehen im Basketball die längsten Ausfallzeiten nach sich und bedeuten letztlich oftmals das Karriereende.
Ehrgeiz, Talent, Athletik-Training und Disziplin nennt Hansen als wichtigste Bausteine seiner Erfolge. "Aber man muss auch das Glück haben, gesund zu bleiben", weiß "Mucker", der zudem die ihm eigene Hartnäckigkeit als Faktor anführt. In einem Alter, in dem andere Zeitgenossen längst die verdiente Rente genießen, brennt der Kieler immer noch und stellt sich unvermindert deutlich jüngeren Sportlern auf Augenhöhe.
 
Ohne Frage, "Mucker" Hansen ist ein Musterexemplar für besondere Fitness, denn es zieht in immer noch zum regelmäßigen Training in Halle oder Studio. Nur so kann es der 61 Jahre alte Kämpfer schaffen, die Kräfte im Liga-Betrieb mit den Youngsters zu messen.

Aus den Kieler Nachrichten von Jürgen Schinke

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